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Expressive Porträts

Selbstporträt zeichnen: So gelingt Ihr Porträt vor dem Spiegel

· Farid Ismayilov

Selbstporträt zeichnen: So gelingt Ihr Porträt vor dem Spiegel

Ein Selbstporträt zeichnen Sie am besten vor einem festen Spiegel mit einer einzigen, seitlichen Lichtquelle: So sehen Sie klare Licht- und Schattenformen, und Ihr Kopf bleibt immer an derselben Stelle. Beginnen Sie mit der großen Kopfform und den Hilfslinien, prüfen Sie die Proportionen, und arbeiten Sie erst am Ende die Details aus. Das Modell ist immer verfügbar – Sie selbst.

In diesem Beitrag zeige ich, wie Sie Spiegel und Licht einrichten, wie Sie Proportionen sicher treffen, was Sie über die Spiegelverkehrtheit wissen sollten und mit welchem Übungsplan Sie schnell Fortschritte machen.

Warum ein Selbstporträt die beste Porträtübung ist

Für ein Porträt brauchen Sie ein Gegenüber, das lange stillsitzt. Beim Selbstporträt haben Sie dieses Modell jederzeit: Sie können üben, wann Sie wollen, so lange Sie wollen, und niemand wird ungeduldig. Viele große Maler haben sich deshalb immer wieder selbst gezeichnet und gemalt.

Gleichzeitig ist das Selbstporträt eine gute Schule des Sehens. Ihr eigenes Gesicht glauben Sie gut zu kennen – beim Zeichnen merken Sie schnell, wie oft das Gedächtnis täuscht. Genau dieses genaue Hinsehen ist die Grundlage jedes Porträts.

Spiegel und Arbeitsplatz richtig einrichten

Ein guter Aufbau erspart Ihnen viel Frust. Achten Sie auf diese Punkte:

  • Fester Spiegel: Ein Handspiegel verrutscht ständig. Besser ist ein Spiegel, der fest steht oder an der Wand hängt.
  • Spiegel neben dem Blatt: Stellen Sie den Spiegel so auf, dass Sie mit einer kleinen Augenbewegung zwischen Spiegelbild und Zeichnung wechseln können – ohne den Kopf stark zu drehen.
  • Feste Sitzposition: Sitzen Sie immer gleich. Kleben Sie sich bei Bedarf eine Markierung auf den Boden oder den Tisch, damit Sie nach einer Pause wieder in dieselbe Position finden.
  • Abstand: Ein Abstand von etwa einer Armlänge zum Spiegel hat sich bewährt. Ist er zu gering, verzerrt die Perspektive Ihr Gesicht.

Licht von der Seite: So entstehen klare Formen

Die Beleuchtung entscheidet, ob Ihr Gesicht flach oder plastisch wirkt. Deckenlicht und mehrere Lampen gleichzeitig erzeugen viele schwache Schatten, die schwer zu lesen sind. Besser ist eine einzige Lichtquelle, die etwas von oben und von der Seite kommt – etwa eine Schreibtischlampe oder ein Fenster.

So entstehen eine deutliche Lichtseite und eine Schattenseite. Nase, Augenhöhlen und Wangenknochen werfen klare Schatten, und Sie erkennen die Volumen des Kopfes viel leichter. Achten Sie darauf, dass das Licht nicht in den Spiegel blendet.

Blickposition und Kopfhaltung

Für das erste Selbstporträt empfehle ich eine leichte Dreiviertelansicht: Drehen Sie den Kopf etwas zur Seite, sodass Sie eine Wange stärker sehen als die andere. Diese Ansicht wirkt lebendiger als die strenge Frontalansicht und zeigt die Form der Nase besser.

Ein typisches Merkmal von Selbstporträts ist der intensive, direkte Blick – Sie schauen ja ständig in den Spiegel. Das kann eine starke Wirkung haben. Achten Sie darauf, dass Sie beim Wechsel zwischen Spiegel und Blatt den Kopf nicht bewegen, sondern nur die Augen.

Proportionen beim Selbstporträt prüfen

Die häufigsten Fehler beim Porträt entstehen durch falsche Proportionen. Einige Grundregeln helfen Ihnen:

  • Die Augen liegen etwa auf halber Höhe des Kopfes – nicht im oberen Drittel, wie viele Anfänger zeichnen.
  • Der Abstand zwischen den Augen entspricht ungefähr der Breite eines Auges.
  • Die Ohren liegen etwa zwischen Augenbrauen- und Nasenhöhe.
  • Die Mundwinkel liegen ungefähr unter den Pupillen.

Messen Sie mit einem Bleistift auf ausgestrecktem Arm, und vergleichen Sie Abstände miteinander. Eine einfache Methode, den Kopf mit Kugel und Hilfslinien aufzubauen, erkläre ich in meinem Beitrag zur Loomis-Methode.

Spiegelverkehrtheit: Sie zeichnen ein anderes Gesicht

Im Spiegel sehen Sie Ihr Gesicht seitenverkehrt. Wenn Ihr Scheitel links liegt, erscheint er im Spiegel rechts. Andere Menschen kennen Sie aber so, wie Sie wirklich aussehen. Deshalb wirkt ein Selbstporträt auf Freunde manchmal etwas „fremd“, obwohl es genau ist.

Das ist kein Fehler, sondern eine Eigenheit des Selbstporträts. Ein guter Trick zur Kontrolle: Betrachten Sie Ihre Zeichnung zwischendurch selbst im Spiegel. Durch die Umkehrung sehen Sie Schiefstellungen und Fehler in den Proportionen sofort.

Spiegel oder Foto?

Ein Foto hält still und vereinfacht das Messen. Allerdings verflacht die Kamera die Formen, und Objektive verzerren Gesichter, besonders bei geringem Abstand wie bei einem Handy-Selfie. Der Spiegel zeigt Ihnen dagegen echte Volumen, feine Übergänge und lebendige Farben.

Mein Rat: Zeichnen Sie so oft wie möglich vor dem Spiegel. Ein Foto kann ergänzend helfen, wenn Sie an einer Zeichnung über mehrere Tage arbeiten und das Licht sich ständig ändert.

Übungsplan für Ihr erstes Selbstporträt

  1. Woche 1: Täglich 10 Minuten Kopfform und Hilfslinien skizzieren – ohne Details.
  2. Woche 2: Einzelne Merkmale üben: Auge, Nase, Mund, jeweils aus dem Spiegel.
  3. Woche 3: Licht und Schatten: das ganze Gesicht nur in drei Tonwerten anlegen.
  4. Woche 4: Ein ausgearbeitetes Selbstporträt in ein bis zwei Stunden.

Bewahren Sie alle Zeichnungen auf. Im Vergleich sehen Sie, wie viel Sie in wenigen Wochen gelernt haben.

Häufige Fragen

Welches Material brauche ich für ein Selbstporträt?

Ein paar Bleistifte (zum Beispiel HB und 2B bis 6B), ein Knetradiergummi, Zeichenpapier und ein fester Spiegel genügen.

Warum sieht mein Selbstporträt nicht aus wie ich?

Meist liegt es an den Proportionen, besonders an zu hoch gezeichneten Augen. Dazu kommt die Spiegelverkehrtheit. Prüfen Sie Ihre Zeichnung im Spiegel und messen Sie die Abstände nach.

Kann ich ohne Vorkenntnisse ein Selbstporträt zeichnen?

Ja. Beginnen Sie mit einfachen Skizzen und steigern Sie sich langsam. Mehr Mut für den Anfang finden Sie in meinem Beitrag Malen lernen ohne Vorkenntnisse.

Fazit: Ihr bestes Modell sind Sie selbst

Wer ein Selbstporträt zeichnen lernt, trainiert alles, was ein gutes Porträt braucht: Beobachtung, Proportionen und Licht. Mit festem Spiegel, seitlichem Licht und regelmäßiger Übung werden Sie schnell sicherer.

Wenn Sie die Grundlagen Schritt für Schritt von zu Hause lernen möchten, empfehle ich meinen Online-Kurs Zeichnen lernen für absolute Anfänger. Und wer lieber mit persönlicher Begleitung malt, findet meine aktuellen Malkurse und Workshops hier – zum Beispiel den Porträtkurs Paint Your Partner.

Bildergalerie

Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Aus der Serie Kinder Porträts #3, Öl auf Leinwand – Farid Ismayilov
Aus der Serie Kinder Porträts #3, Öl auf Leinwand – Farid Ismayilov