Zurück zum Blog
Zeichnen lernen

Porträt zeichnen lernen: Die Loomis-Methode einfach erklärt

· Farid Ismayilov

Porträt zeichnen lernen: Die Loomis-Methode einfach erklärt

Mit der Loomis-Methode können Sie ein Porträt zeichnen lernen, ohne dass der Kopf schief, flach oder „irgendwie falsch“ wirkt. Sie bauen den Kopf aus einer Kugel auf, schneiden die Seiten ab und setzen mit wenigen Hilfslinien Augenbrauen, Nase und Kinn – erst danach kommen Augen, Mund und Haare. In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen die Loomis Methode auf Deutsch Schritt für Schritt, so wie ich sie auch im Unterricht vermittle.

Was ist die Loomis-Methode?

Andrew Loomis (1892–1959) war ein amerikanischer Illustrator und Zeichenlehrer. In seinem Buch „Drawing the Head and Hands“ beschrieb er ein Konstruktionsverfahren, mit dem sich ein Kopf aus jeder Blickrichtung aufbauen lässt – von vorne, im Profil, in der Dreiviertelansicht, von oben oder von unten.

Der Grundgedanke: Sie zeichnen nicht zuerst einen Umriss, sondern denken in Volumen. Viele Anfänger beginnen mit einem Oval und setzen die Augen hinein. Das Ergebnis wirkt oft wie eine flache Maske. Die Loomis-Methode beginnt dagegen mit einer dreidimensionalen Form, auf der die Gesichtsteile ihren festen Platz haben. Deshalb funktioniert sie auch dann, wenn der Kopf gedreht oder geneigt ist.

Die Loomis-Methode Schritt für Schritt

Arbeiten Sie für die Konstruktion mit einem harten oder mittleren Bleistift (etwa HB oder 2H) und sehr leichtem Druck. Die Linien sind Hilfslinien und sollen später kaum noch sichtbar sein.

1. Die Kugel als Hirnschädel

Zeichnen Sie einen Kreis. Er steht für den oberen, runden Teil des Schädels – nicht für das ganze Gesicht. Der Kreis muss nicht perfekt sein. Wichtiger ist, dass Sie ihn sich als Kugel vorstellen, nicht als flache Scheibe.

2. Die Seiten abschneiden

Der menschliche Kopf ist an den Seiten flacher als eine Kugel. Loomis „schneidet“ deshalb links und rechts eine Scheibe ab. Es entsteht eine ovale Seitenfläche, auf der später Schläfe und Ohr liegen. In der Frontalansicht sehen Sie diese Fläche nur als schmale senkrechte Ellipse am Rand. Je weiter sich der Kopf zur Seite dreht, desto breiter und runder wird die sichtbare Seitenfläche – im Profil ist sie fast ein Kreis.

3. Mittellinie und Brauenlinie

Ziehen Sie eine senkrechte Mittellinie über die Vorderseite der Kugel. Sie läuft nicht gerade, sondern folgt der Wölbung. An ihr erkennen Sie, wohin der Kopf schaut und wie stark er geneigt ist. Anschließend ziehen Sie eine waagerechte Linie durch die Mitte der Seitenfläche einmal um die Kugel herum: die Brauenlinie. Wo sich Mittellinie und Brauenlinie kreuzen, liegt die Stelle zwischen den Augenbrauen.

4. Nasenlinie und Kinn

Die Unterkante der Seitenfläche markiert ungefähr die Nasenlinie, also die Höhe der Nasenunterseite. Die Oberkante der Seitenfläche entspricht etwa dem Haaransatz. Nun messen Sie den Abstand von der Brauenlinie zur Nasenlinie und tragen ihn auf der Mittellinie noch einmal nach unten ab. Dort liegt das Kinn. So entsteht die klassische Dreiteilung des Gesichts: Haaransatz bis Brauen, Brauen bis Nase, Nase bis Kinn – drei ungefähr gleich große Abschnitte.

5. Kiefer und Ohr

Vom hinteren Bereich der Seitenfläche führen Sie die Kieferlinie schräg nach unten zum Kinn. Das Ohr sitzt direkt hinter der Seitenfläche, ungefähr zwischen Brauenlinie und Nasenlinie. Damit steht das Gerüst – und Sie haben noch kein einziges Detail gezeichnet.

Die wichtigsten Proportionen beim Porträt zeichnen

Auf das Loomis-Gerüst setzen Sie die Gesichtsteile. Diese Faustregeln für einen Erwachsenenkopf in der Frontalansicht helfen dabei:

  • Die Augen liegen etwa auf halber Höhe zwischen Scheitel und Kinn – fast alle Anfänger setzen sie zu hoch.
  • Zwischen den Augen ist ungefähr eine Augenbreite Platz; der Kopf ist etwa fünf Augenbreiten breit.
  • Die Nasenflügel sind ungefähr so breit wie der Abstand der inneren Augenwinkel.
  • Die Mundspalte liegt etwa ein Drittel des Weges von der Nase zum Kinn.
  • Die Mundwinkel befinden sich ungefähr unter den Pupillen.
  • Die Ohren reichen etwa von der Brauenlinie bis zur Nasenlinie.

Das sind Durchschnittswerte. Kein Gesicht hält sich exakt daran – und genau diese Abweichungen machen die Ähnlichkeit aus. Die Regeln geben Ihnen einen Ausgangspunkt, von dem aus Sie Ihr Modell genau beobachten.

Den Kopf drehen und neigen

Die große Stärke der Loomis-Methode zeigt sich, wenn der Kopf nicht frontal zu Ihnen schaut. Dreht sich der Kopf, wandert die Mittellinie zur Seite und krümmt sich stärker. Schaut der Kopf nach oben oder unten, werden Brauenlinie und Nasenlinie zu Bögen: Blickt die Person nach oben, wölben sich die Linien nach oben, blickt sie nach unten, hängen die Bögen nach unten durch.

Eine einfache Übung: Nehmen Sie eine Orange oder einen Tischtennisball, zeichnen Sie Mittellinie und Brauenlinie darauf und drehen Sie ihn in der Hand. Sie sehen sofort, wie sich die Linien in der Perspektive verändern. Dieses räumliche Denken ist der eigentliche Gewinn der Methode.

Übungsplan: So trainieren Sie die Loomis-Methode

  1. Nur Konstruktion: Zeichnen Sie eine Seite voller Kugeln mit Seitenfläche, Mittellinie und Brauenlinie in verschiedenen Drehungen.
  2. Drei Ansichten: Bauen Sie denselben Kopf frontal, im Profil und in der Dreiviertelansicht auf.
  3. Konstruktion über Fotos: Legen Sie Transparentpapier auf Porträtfotos und tragen Sie Kugel, Seitenfläche und Hilfslinien ein. So schulen Sie Ihr Auge für Neigung und Drehung.
  4. Freies Porträt: Erst jetzt zeichnen Sie ein Porträt nach Vorlage – zuerst das Gerüst, dann die Gesichtsteile, zuletzt Licht und Schatten.

Lieber regelmäßig 20 Minuten als einmal im Monat drei Stunden. Die Konstruktion soll Ihnen so vertraut werden, dass Sie nicht mehr darüber nachdenken müssen.

Porträt zeichnen lernen mit Anleitung

Porträts sind meine Leidenschaft; in meiner eigenen Arbeit konzentriere ich mich auf die realistische Darstellung von Gesichtern und Ausdruck. Mehr über meinen Werdegang lesen Sie auf der Seite Über mich. Wenn Sie ganz am Anfang stehen, finden Sie in meinem Beitrag Malen lernen ohne Vorkenntnisse weitere Tipps für den Einstieg.

Wer lieber zu Hause in eigenem Tempo übt, kann mit meinem Online-Kurs Zeichnen lernen für absolute Anfänger auf Udemy beginnen. Im Präsenzkurs kommt etwas Entscheidendes hinzu: Ich sehe Ihre Zeichnung und kann direkt zeigen, wo die Konstruktion nicht stimmt.

Häufige Fragen

Ist die Loomis-Methode für Anfänger geeignet?

Ja. Sie braucht keine Vorkenntnisse, nur Geduld mit den ersten, noch ungelenken Kugeln. Gerade Anfänger profitieren davon, weil die Methode typische Proportionsfehler von vornherein verhindert.

Muss ich die Hilfslinien später wegradieren?

Wenn Sie mit leichtem Druck arbeiten, verschwinden die meisten Linien unter der Schattierung. Was stört, nehmen Sie vorsichtig mit einem Knetradiergummi heraus, ohne das Papier aufzurauen.

Welches Material brauche ich?

Für den Anfang genügen ein HB- oder 2H-Bleistift für die Konstruktion, ein 2B- und ein 4B-Bleistift für die Schatten, ein Knetradiergummi und glattes Zeichenpapier ab etwa 120 g/m².

Funktioniert die Methode auch im Profil?

Ja, im Profil ist sie sogar besonders anschaulich: Die Seitenfläche erscheint als Kreis, und Sie sehen deutlich, wie weit der Hinterkopf hinter das Ohr reicht – ein Bereich, den viele zu klein zeichnen.

Fazit

Die Loomis-Methode ist kein starres Schema, sondern ein Werkzeug: Sie gibt dem Kopf ein stabiles Gerüst, auf dem Sie Proportionen sicher treffen und anschließend frei und genau beobachten können. Wenn Sie das Porträtzeichnen mit persönlicher Begleitung lernen möchten, schauen Sie sich meine aktuellen Mal- und Zeichenkurse an – ich freue mich darauf, Sie im Kurs kennenzulernen.

Bildergalerie

Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov
Zeichnung – Farid Ismayilov