Zurück zum Blog
Expressive Porträts

Acrylmalerei und Mischtechnik: Kohle, Pinsel und Spachtel kreativ kombinieren

· Farid Ismayilov

Acrylmalerei und Mischtechnik: Kohle, Pinsel und Spachtel kreativ kombinieren

Acrylmalerei in Mischtechnik heißt, verschiedene Materialien in einem Bild zu verbinden – zum Beispiel Kohle für die Zeichnung, Pinsel für dünne Farbschichten und den Spachtel für pastose Strukturen. Das Ergebnis wirkt lebendig und vielschichtig, weil jede Technik ihre eigene Spur hinterlässt. Damit die Kombination gelingt, kommt es vor allem auf die richtige Reihenfolge und auf das Fixieren der Kohle an. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie Kohle, Pinsel und Spachtel sauber und kreativ zusammenbringen.

Was bedeutet Mischtechnik in der Acrylmalerei?

Unter Mischtechnik (englisch „Mixed Media“) versteht man Bilder, in denen mehrere Mal- und Zeichenmittel zusammenwirken. Acrylfarbe ist dafür ein idealer Partner: Sie trocknet schnell, haftet auf vielen Untergründen und lässt sich dünn wie Aquarell oder dick wie Paste auftragen. Nach dem Trocknen ist sie wasserfest, sodass Sie gefahrlos darüber zeichnen oder weitere Schichten setzen können.

Gerade im Porträt entsteht so ein spannendes Zusammenspiel: Die Kohlezeichnung bringt Struktur und Linie, der Pinsel Farbe und Atmosphäre, der Spachtel Relief und Energie.

Material für die Mischtechnik

  • Acrylfarben in einigen Grundtönen plus Titanweiß, gern auch pastose Qualitäten
  • Weidenkohle für lockere, leicht korrigierbare Linien und Presskohle oder Kohlestifte für tiefe Schwarztöne
  • Fixativ zum Sprühen
  • Mattes Acrylmedium als Zwischenschicht und zum Verdünnen
  • Pinsel: ein breiter Flachpinsel, ein mittlerer Borstenpinsel, ein kleiner Synthetikpinsel
  • Malmesser in ein bis zwei Größen
  • Untergrund: grundierte Leinwand, Malkarton oder kräftiges Papier ab etwa 300 g/m²

Kohle unter Acryl: So verschmiert nichts

Kohle ist ideal für die erste Anlage eines Porträts. Sie lässt sich mit dem Finger oder einem Tuch wieder wegwischen, bis Proportionen und Komposition stimmen. Das Problem: Loser Kohlestaub mischt sich mit nasser Acrylfarbe. Besonders helle Töne wie Hauttöne, Gelb oder Weiß werden dann grau und schmutzig.

So vermeiden Sie das:

  1. Überschüssigen Staub entfernen: Klopfen Sie die Leinwand leicht ab oder pusten Sie den losen Staub weg. Die Zeichnung bleibt sichtbar, nur das lose Pigment verschwindet.
  2. Fixieren: Sprühen Sie Fixativ aus etwa 30 cm Abstand in dünnen Schichten auf. Arbeiten Sie dabei im Freien oder in einem gut belüfteten Raum.
  3. Versiegeln (optional): Für zusätzliche Sicherheit können Sie nach dem Trocknen eine dünne Schicht mattes Acrylmedium auftragen. Tupfen Sie es eher auf, als kräftig zu streichen, damit sich keine Kohle löst.

Manchmal ist die Vermischung aber auch erwünscht: Zeichnen Sie mit Kohle in eine noch nasse, dunkle Farbschicht, entstehen weiche, rauchige Linien. Setzen Sie diesen Effekt gezielt ein – zum Beispiel in Schattenbereichen oder im Hintergrund.

Kohle auf Acryl: Linien als letzter Akzent

Kohle kann nicht nur unter, sondern auch über der Farbe arbeiten. Auf einer trockenen, matten Acrylschicht haftet sie gut. Auf glänzenden Flächen rutscht sie dagegen ab. Wenn Sie später über die Farbe zeichnen möchten, verwenden Sie deshalb matte Farben oder eine matte Zwischenschicht.

Kräftige Kohlelinien zum Schluss können einem Porträt viel Spannung geben: eine dunkle Kontur an der Schattenseite des Gesichts, eine Andeutung der Augenbrauen, ein paar schnelle Linien im Haar. Fixieren Sie diese Linien am Ende. Beachten Sie, dass Fixativ die Kohle oft etwas dunkler erscheinen lässt.

Pinsel und Spachtel in der Mischtechnik

Für den Schichtaufbau gilt eine einfache Regel: von dünn zu dick. Mit dem Pinsel legen Sie zuerst transparente Farbschichten an. Dafür verdünnen Sie die Acrylfarbe mit Wasser oder besser mit Acrylmedium. Bei sehr starker Verdünnung mit reinem Wasser kann die Farbe an Bindekraft verlieren, deshalb ist Medium die sicherere Wahl. Durch die lasierenden Schichten bleibt die Kohlezeichnung teilweise sichtbar.

Danach kommt der Spachtel ins Spiel: Er setzt pastose Farbflächen auf die Lichtseite des Gesichts, in den Hintergrund oder an Stellen, die Sie betonen möchten. Die Gegensätze zwischen dünner Lasur, rauem Spachtelrelief und grafischer Kohlelinie machen den Reiz der Mischtechnik aus. Wie Sie mit dem Malmesser genau arbeiten, erkläre ich ausführlich im Beitrag Porträtmalerei mit dem Spachtel.

Praktisches Beispiel: ein Porträt in vier Schichten

  1. Kohlezeichnung: Legen Sie das Porträt mit Weidenkohle an – Kopfform, Achsen, Augen, Nase, Mund und die großen Schattenformen. Korrigieren Sie so lange, bis die Proportionen stimmen. Dann Staub abklopfen und fixieren.
  2. Lasur mit dem Pinsel: Malen Sie mit verdünnter Farbe eine erste Farbstimmung über das ganze Bild, zum Beispiel ein warmes Ocker im Gesicht und ein kühles Blau im Hintergrund. Die Zeichnung schimmert durch.
  3. Pastose Flächen mit dem Spachtel: Setzen Sie die Lichter auf Stirn, Nasenrücken und Wangen mit dem Malmesser. Lassen Sie die Schatten dünn und transparent.
  4. Linien und Akzente: Ziehen Sie nach dem Trocknen mit Presskohle einige kräftige Linien nach. Zum Schluss alles fixieren.

Diese Abfolge lässt sich auf viele Motive übertragen. Bei einer tanzenden Figur etwa kann die Kohle die Bewegungslinie festhalten, während Pinsel und Spachtel die Farbe frei darüberlegen. Und auch Tierporträts eignen sich hervorragend für Mischtechnik – dazu gibt es meinen Online-Kurs „Abstrakte Tierporträts“ auf Udemy.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Kohle in hellen Bereichen nicht fixiert: Ergebnis sind graue, schmutzige Hauttöne. Immer erst fixieren, dann malen.
  • Alles zudecken: Wenn die Zeichnung komplett verschwindet, verliert die Mischtechnik ihren Charakter. Lassen Sie bewusst Stellen offen.
  • Zu viele Materialien auf einmal: Drei Mittel reichen für ein starkes Bild. Mehr wird schnell unruhig.
  • Überall gleiche Struktur: Kontraste zwischen glatt und rau, dünn und dick erzeugen Spannung. Planen Sie sie.

Wichtig ist auch hier: Es geht nicht um fotografische Genauigkeit, sondern um Ausdruck. Warum das kein Kompromiss ist, sondern eine Stärke, lesen Sie im Beitrag Warum ein Porträt nicht fotorealistisch sein muss.

Häufige Fragen

Muss ich Kohle vor dem Malen mit Acryl fixieren?

Es ist sehr zu empfehlen, besonders wenn Sie helle Farben darüber malen. Ohne Fixierung mischt sich der Kohlestaub mit der nassen Farbe und trübt sie.

Kann ich Kohle mit Haarspray fixieren?

Das wird oft empfohlen, ist aber nur eine Notlösung. Haarspray ist nicht für Kunstwerke gemacht und kann mit der Zeit vergilben. Ein Fixativ aus dem Künstlerbedarf ist die bessere Wahl.

Welcher Untergrund eignet sich für Mischtechnik?

Grundierte Leinwand und Malkarton sind ideal. Papier sollte kräftig sein, etwa ab 300 g/m², damit es sich bei nasser Farbe nicht zu stark wellt.

Kann ich später mit Ölfarben weitermalen?

Ja, Ölfarbe kann auf trockenem Acryl aufgetragen werden. Umgekehrt gilt das nicht: Acryl haftet nicht zuverlässig auf Ölfarbe.

Fazit: Vielfalt mit System

Acrylmalerei in Mischtechnik lebt vom Kontrast der Mittel: Kohle zeichnet, der Pinsel färbt, der Spachtel formt. Mit der richtigen Reihenfolge – zeichnen, fixieren, dünn lasieren, pastos setzen, Akzente – vermeiden Sie schmutzige Farben und gewinnen viel Ausdruck. Wenn Sie diese Techniken gemeinsam mit mir ausprobieren möchten, finden Sie meine aktuellen Kurse, etwa „Abstraktes Arbeiten mit dem Spachtel“ oder „Tänzerin im Farbrausch“, unter Kurse und Termine.

Bildergalerie

Abstrahiertes Tierporträt – Farid Ismayilov
Abstrahiertes Tierporträt – Farid Ismayilov
Abstrahiertes Tierporträt – Farid Ismayilov
Abstrahiertes Tierporträt – Farid Ismayilov
Abstrahiertes Tierporträt – Farid Ismayilov
Abstrahiertes Tierporträt – Farid Ismayilov