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Ölmalerei

Lasurtechnik in der Ölmalerei: So entstehen Tiefe und leuchtende Farben

· Farid Ismayilov

Lasurtechnik in der Ölmalerei: So entstehen Tiefe und leuchtende Farben

Die Lasurtechnik in der Ölmalerei bedeutet, dünne, durchscheinende Farbschichten über eine bereits getrocknete Malschicht zu legen. Das Licht dringt durch die Lasur, wird von der hellen Schicht darunter zurückgeworfen und lässt die Farbe von innen heraus leuchten – ein Effekt, den Sie durch bloßes Mischen auf der Palette nicht erreichen. So entstehen die Tiefe und Leuchtkraft, die wir an Gemälden der Alten Meister bewundern.

In diesem Beitrag erkläre ich, welche Farben sich zum Lasieren eignen, wie Sie das Malmittel ansetzen, wie lange jede Schicht trocknen muss und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Was ist eine Lasur – und was macht sie besonders?

Eine Lasur ist eine transparente Farbschicht, bei der die darunterliegende Schicht sichtbar bleibt. Man spricht von optischer Farbmischung: Ein transparentes Rot über einem hellen Gelb ergibt ein Orange, das anders wirkt als ein auf der Palette gemischtes Orange – tiefer, satter und gleichzeitig leuchtender.

Das Gegenstück ist die deckende Malweise, bei der jede Farbe das Darunterliegende verdeckt. Dazwischen liegt die Halblasur (auch Velatur genannt): eine dünne, leicht mit Weiß aufgehellte Schicht, die schleierartig wirkt und Bereiche sanft aufhellen oder kühlen kann.

Lasieren macht dunkler, nicht heller

Das ist die wichtigste Regel zum Verständnis: Jede transparente Lasur macht eine Fläche dunkler und farbiger. Helle Partien müssen Sie deshalb vorher deckend und eher etwas zu hell anlegen. Wer auf eine dunkle Untermalung lasiert, wird keine Leuchtkraft erzielen.

Lasurtechnik: Welche Farben eignen sich?

Nicht jedes Pigment ist transparent. Auf vielen Tuben finden Sie ein Symbol für die Deckkraft – ein leeres Quadrat steht meist für transparent, ein volles für deckend. Gut zum Lasieren eignen sich zum Beispiel:

  • Krapplack bzw. Alizarin-Ersatz: kühles, tiefes Rot – für Schatten in Hauttönen und Stoffen
  • Ultramarinblau: klassisches transparentes Blau
  • Gebrannte Siena: warmes, leuchtendes Rotbraun
  • Transparente Oxidfarben (transparentes Oxidrot, -gelb, -braun): sehr leuchtend und vergleichsweise schnell trocknend
  • Phthalo- und Chinacridonfarben: moderne, intensiv färbende Pigmente – sparsam verwenden

Deckende Farben wie Titanweiß, Kadmiumfarben oder Neapelgelb sind dagegen für klassische Lasuren ungeeignet, können aber in sehr kleinen Mengen für Halblasuren genutzt werden.

Das richtige Malmittel für Lasuren

Für eine Lasur wird die Farbe nicht mit reinem Lösungsmittel verdünnt, sondern mit einem ölhaltigen Malmittel. Reines Lösungsmittel würde die Farbe „mager“ machen und den Bindemittelfilm schwächen – die Lasur könnte stumpf und brüchig werden.

  • Fertiges Lasurmalmittel: die einfachste Lösung für Anfänger. Viele enthalten Alkydharz und beschleunigen das Trocknen deutlich.
  • Selbst angesetzt: zum Beispiel ein Teil Leinöl oder Standöl auf etwa zwei Teile geruchsarmes Lösungsmittel. Mit jeder weiteren Lasurschicht darf der Ölanteil etwas steigen.

Wichtig ist das Prinzip „fett auf mager“: Jede obere Schicht sollte mindestens so viel, besser etwas mehr Öl enthalten als die darunterliegende. Gleichzeitig gilt: so wenig Malmittel wie nötig. Zu viel Öl kann zu Runzeln, Vergilben und einer klebrigen Oberfläche führen.

Schritt für Schritt: So lasieren Sie richtig

  1. Untermalung anlegen: Beginnen Sie mit einer Imprimitur und einer tonigen Untermalung – etwa in Grau (Grisaille) oder Braun. Wie eine Imprimitur funktioniert, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.
  2. Lichter deckend aufbauen: Hellen Sie Lichtbereiche deckend und etwas heller als im Endergebnis gewünscht auf.
  3. Vollständig trocknen lassen: Die Schicht muss mindestens berührungstrocken sein, sonst lösen Sie sie mit der Lasur wieder an.
  4. Lasur anmischen: Wenig transparente Farbe mit Lasurmalmittel zu einer flüssigen, durchscheinenden Konsistenz mischen.
  5. Dünn auftragen: Mit einem weichen Pinsel (Synthetik- oder Haarpinsel) gleichmäßig und dünn auftragen.
  6. Abnehmen und weich vertreiben: Überschüssige Lasur mit einem sauberen, trockenen Pinsel oder fusselfreien Lappen abnehmen, Ränder mit einem weichen Pinsel vertreiben.
  7. Trocknen lassen und wiederholen: Erst wenn die Lasur trocken ist, folgt die nächste Schicht.

Wie lange müssen Lasuren trocknen?

Das ist die häufigste Frage – und die ehrliche Antwort lautet: Es hängt ab. Pigment, Schichtdicke, Malmittel, Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit spielen zusammen. Als grobe Orientierung:

  • Mit einem alkydhaltigen Malmittel ist eine dünne Lasur oft nach etwa einem Tag übermalbar.
  • Mit Leinöl-Malmitteln sollten Sie eher mit mehreren Tagen bis etwa einer Woche rechnen.
  • Langsam trocknende Pigmente oder dickere Schichten brauchen länger.

Prüfen Sie mit dem Finger an einer unauffälligen Stelle: Bleibt nichts kleben, ist die Schicht berührungstrocken. Sicherheitshalber lieber einen Tag länger warten. Ein Ölbild ist erst nach vielen Monaten durchgetrocknet; einen Schlussfirnis tragen Sie deshalb erst deutlich später auf.

Typische Fehler beim Lasieren

  • Auf nasse Schichten lasieren: Die Farben vermischen sich, die Lasur wird trüb.
  • Deckende Pigmente verwenden: Die Fläche wird milchig statt leuchtend.
  • Zu viel Malmittel: Die Oberfläche bleibt klebrig, kann runzeln oder später vergilben.
  • Zu dunkle Untermalung: Ohne helle Basis kann die Lasur nicht leuchten.
  • Zu dicke Lasur: Mehrere dünne Schichten wirken besser als eine dicke.
  • Stumpfe, „eingeschlagene“ Stellen: Wenn Partien matt werden, hilft ein dünner Retuschierfirnis oder eine Spur Malmittel, um die Farben wieder richtig beurteilen zu können.

Denken Sie auch hier an Ihre Sicherheit: Arbeiten Sie mit geruchsarmem Lösungsmittel bei guter Lüftung, und lassen Sie ölgetränkte Lappen ausgebreitet trocknen oder bewahren Sie sie in einem verschlossenen Metallbehälter auf.

Häufige Fragen

Kann ich die Lasurtechnik als Anfänger lernen?

Ja. Lasieren ist vor allem eine Frage der Geduld und Planung, nicht des Talents. Wichtig ist, dass Sie die Grundlagen zu Material und Malmitteln kennen – einen Überblick gibt mein Beitrag Ölmalerei für Anfänger.

Welcher Pinsel eignet sich zum Lasieren?

Weiche, flache Pinsel aus Synthetik oder Naturhaar, die keine deutlichen Pinselspuren hinterlassen. Ein breiter, weicher Vertreiberpinsel hilft, Übergänge zu glätten.

Funktioniert Lasieren auch mit Acryl?

Ja, mit Acryl-Lasurmedium. Die Schichten trocknen sehr schnell, die Übergänge sind aber schwieriger weich zu gestalten. Die klassische Tiefe der Öllasur erreicht man damit nicht ganz so leicht.

Wie viele Lasurschichten braucht ein Bild?

Es gibt keine feste Zahl. Manchmal reicht eine einzige Lasur, um eine Partie zu vertiefen, bei anderen Bildern sind es viele dünne Schichten. Entscheidend ist das Ergebnis, nicht die Anzahl.

Fazit: Geduld, die man sieht

Die Lasurtechnik ist langsam, aber sie belohnt Sie mit einer Tiefe und Leuchtkraft, die kaum eine andere Malweise erreicht. Mit transparenten Pigmenten, einem passenden Malmittel und genügend Trocknungszeit gelingt sie auch Anfängern. Den klassischen Bildaufbau mit Lasuren zeige ich ausführlich in meinem Udemy-Kurs Altmeisterliche Porträtmalerei mit Ölfarben. Wenn Sie lieber persönlich an der Staffelei lernen, finden Sie meine aktuellen Malkurse unter Kurse und Termine.

Bildergalerie

Porträt in Öl – Farid Ismayilov
Porträt in Öl – Farid Ismayilov
Porträt in Öl – Farid Ismayilov
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Porträt in Öl – Farid Ismayilov
Porträt in Öl – Farid Ismayilov