Wie findet man seinen eigenen Malstil? Meine Erfahrungen als Künstler
Seinen eigenen Malstil findet man nicht, indem man ihn sucht, sondern indem man viel malt, bewusst experimentiert und ehrlich hinschaut, was einen wirklich interessiert. Stil ist kein Etikett, das man sich aussucht – er ist die Summe der Entscheidungen, die man immer wieder trifft. In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich meinen eigenen Malstil gefunden habe, und gebe Ihnen konkrete Übungen für Ihren Weg.
Was ist ein Malstil überhaupt?
Ein Malstil zeigt sich in vielen kleinen Dingen: in der Wahl der Motive, im Umgang mit Farbe, in der Art, wie Pinsel oder Spachtel geführt werden, darin, was ausgearbeitet und was weggelassen wird. Man erkennt einen Stil oft schneller, als man ihn beschreiben kann – so wie eine Handschrift.
Wichtig ist: Stil ist nichts Statisches. Er verändert sich mit den Erfahrungen, den Themen und dem Leben eines Künstlers. Wer einmal einen Stil gefunden hat, darf ihn weiterentwickeln.
Mein Weg: vom akademischen Realismus zu einer eigenen Handschrift
Meine Ausbildung war über rund zehn Jahre hinweg akademisch geprägt – am Asim Asimzade Art College und an der Staatlichen Kunstakademie in Baku. Dort ging es zunächst nicht um Stil, sondern um Handwerk: richtig zeichnen, Tonwerte sehen, Ölfarbe in Schichten aufbauen. Persönlicher Ausdruck war wichtig, aber er kam nach dem Können.
[FARID: Wie haben Sie in dieser Zeit gemalt, und gab es schon damals Momente, in denen Sie aus dem akademischen Rahmen ausbrechen wollten? – 2–3 Sätze]
Im Masterstudium an der Alanus Hochschule in der Klasse von Prof. Dr. Ulrike Eller-Rüter stand plötzlich die Frage im Raum, was meine Malerei von anderen unterscheidet. Das war anfangs unbequem – und genau deshalb so wertvoll.
[FARID: Was haben Sie in dieser Zeit ausprobiert (Materialien, Formate, Themen), und was davon ist geblieben? Was haben Sie wieder verworfen? – 2–4 Sätze]
Heute ist meine Leidenschaft das Porträt, mit einem Schwerpunkt auf der realistischen Darstellung von Gesichtern und ihrem Ausdruck. Die akademische Grundlage ist immer sichtbar, aber ich habe meinen eigenen Stil entwickelt.
[FARID: Wie würden Sie Ihren eigenen Malstil in zwei bis drei Sätzen beschreiben? Was ist typisch für ein Bild von Farid Ismayilov?]
Wie sich das in meinen Bildern zeigt, sehen Sie in meinem Portfolio.
Warum das Handwerk dem eigenen Stil nicht im Weg steht
Eine häufige Sorge lautet: Wenn ich zu viel Technik lerne, male ich irgendwann wie alle anderen. Ich sehe es anders. Technik ist wie ein Wortschatz. Je mehr Wörter Sie kennen, desto genauer können Sie ausdrücken, was Sie sagen möchten. Ein eigener Stil entsteht dann, wenn Sie aus diesem Wortschatz bewusst auswählen.
Viele große Künstler haben zuerst sehr klassisch gearbeitet, bevor sie zu ihrer unverwechselbaren Bildsprache fanden. Das Handwerk war für sie kein Käfig, sondern ein Sprungbrett.
Eigenen Malstil finden: 6 praktische Übungen
Die folgenden Übungen helfen, den eigenen Malstil Schritt für Schritt sichtbar zu machen. Sie eignen sich für Anfänger ebenso wie für Fortgeschrittene.
- Vorbilder kopieren und vergleichen: Malen Sie ein Detail aus einem Bild, das Sie bewundern, so genau wie möglich nach. Fragen Sie sich danach: Was hat mich daran angezogen – die Farbe, die Linie, die Stimmung?
- Ein Motiv, drei Varianten: Malen Sie dasselbe Motiv dreimal – einmal realistisch, einmal mit stark vereinfachten Formen, einmal nur mit Farbflächen. Welche Version fühlt sich am meisten nach Ihnen an?
- Bewusste Beschränkung: Arbeiten Sie eine Zeit lang nur mit drei Farben plus Weiß oder nur mit dem Spachtel. Einschränkungen zwingen zu eigenen Lösungen.
- In Serien denken: Malen Sie fünf bis zehn Bilder zu einem Thema. Erst in einer Serie erkennen Sie, was sich wiederholt – und genau das ist Ihr Stil.
- Schnelle Studien: Malen Sie kleine Bilder mit Zeitlimit, etwa 20 Minuten. Wenn keine Zeit zum Grübeln bleibt, zeigt sich Ihre Handschrift am deutlichsten.
- Rückblick halten: Legen Sie Ihre Arbeiten der letzten Monate nebeneinander. Welche gefallen Ihnen am besten, und was haben diese gemeinsam?
Was Sie vermeiden sollten
Vermeiden Sie es, sich zu früh festzulegen oder jeden neuen Trend zu übernehmen. Ein Stil, der nur aus Effekten besteht, nutzt sich schnell ab. Geben Sie sich Zeit – Stil wächst über Jahre, nicht über Wochen.
Inspiration: Wo sie herkommt und wie man sie nutzt
Inspiration kommt selten auf Bestellung. Sie entsteht durch Museumsbesuche, Gespräche, Reisen, Bücher – und vor allem durch die Arbeit selbst. Viele Ideen tauchen erst auf, während man malt.
[FARID: Was inspiriert Sie persönlich am meisten (Menschen, Orte, Künstler, Musik …)? Haben Sie ein Skizzenbuch oder ein Ritual, um Ideen festzuhalten? – 2–3 Sätze]
Wenn Sie gerade erst anfangen, ist es ganz normal, noch keinen Stil zu haben. Wie Sie gut in die Malerei einsteigen, lesen Sie im Beitrag Malen lernen ohne Vorkenntnisse.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, einen eigenen Malstil zu finden?
Das ist sehr individuell. Bei den meisten Malerinnen und Malern zeigt sich eine eigene Handschrift nach einigen Jahren regelmäßiger Praxis. Erste Tendenzen erkennen Sie aber oft schon nach wenigen Monaten.
Ist es schlimm, wenn ich andere Künstler nachahme?
Nein, zum Lernen ist Nachahmen sogar sinnvoll. Wichtig ist, dass Sie verstehen, warum Ihnen etwas gefällt, und es mit der Zeit in Ihre eigene Sprache übersetzen.
Kann ein Malkurs helfen, den eigenen Stil zu finden?
Ja. In einem Kurs lernen Sie verschiedene Techniken kennen und bekommen eine Rückmeldung von außen. Oft sieht ein Dozent Stärken in Ihren Bildern, die Ihnen selbst noch nicht aufgefallen sind.
Fazit
Den eigenen Malstil zu finden ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Weg aus Handwerk, Experiment und ehrlicher Reflexion. Bei mir hat er in den Zeichensälen von Baku begonnen und ist bis heute nicht abgeschlossen. Wenn Sie Ihren eigenen Weg mit Begleitung gehen möchten, finden Sie realistische wie expressive Kurse auf der Seite Malkurse und Workshops.
