Leinwand grundieren mit Gesso: So bereiten Sie Ihren Malgrund richtig vor
Eine Leinwand grundieren Sie, indem Sie zwei bis drei dünne Schichten Gesso mit einem breiten Pinsel auftragen, jede Schicht gut trocknen lassen und bei Bedarf zwischendurch leicht anschleifen. Der Grund schützt das Gewebe, sorgt dafür, dass die Farbe gleichmäßig haftet, und bestimmt, wie Ihr Bild später wirkt. Bei den meisten fertig gekauften Leinwänden ist bereits eine Grundierung vorhanden – trotzdem lohnt es sich oft, eine weitere Schicht aufzutragen.
In diesem Beitrag erkläre ich, was Gesso eigentlich ist, wann Sie eine Leinwand selbst grundieren sollten, worauf es bei Öl und Acryl ankommt und wie ein farbiger Grund Ihre Malerei verändern kann.
Warum man eine Leinwand grundieren sollte
Rohe Baumwolle oder Leinen saugt Farbe und Bindemittel wie ein Schwamm auf. Ohne Grundierung wird die Farbe stumpf, Sie verbrauchen deutlich mehr Material, und bei Ölfarbe kann das Öl das Gewebe auf Dauer schädigen. Eine Grundierung bildet eine Sperrschicht zwischen Gewebe und Farbe.
Gleichzeitig gibt der Grund der Oberfläche einen bestimmten „Zahn“ – eine leichte Rauigkeit, an der die Farbe haftet. Ein glatter Grund eignet sich für feine Details, etwa bei einem Porträt. Ein etwas rauerer Grund nimmt pastose Farbe und Spachtelarbeit gut an.
Was ist Gesso?
Ursprünglich bezeichnete Gesso eine Grundierung aus Kreide, Gips und tierischem Leim, die vor allem auf Holztafeln verwendet wurde. Heute meint man im Künstlerbedarf fast immer Acryl-Gesso: eine weiße, flexible Grundierung auf Acrylbasis mit Pigment (meist Titanweiß) und Füllstoffen.
Acryl-Gesso hat zwei große Vorteile: Es trocknet schnell, und es eignet sich sowohl als Grund für Acryl- als auch für Ölmalerei. Für Einsteiger ist es deshalb die einfachste Wahl. Es gibt Gesso auch in Schwarz, Grau oder als transparente Variante.
Vorgrundierte Leinwand: Reicht das?
Die meisten Keilrahmen aus dem Handel sind bereits mit einer Universalgrundierung versehen. Für erste Versuche reicht das völlig aus. In meinen Kursen arbeiten Sie zum Beispiel auf einer fertig vorbereiteten Leinwand, damit Sie sich ganz auf das Malen konzentrieren können.
Bei günstigen Leinwänden ist die Grundierung allerdings oft sehr dünn. Sie erkennen das daran, dass die Gewebestruktur stark durchscheint und die Farbe schnell einsinkt. Dann lohnt sich eine zusätzliche Schicht Gesso. Auch wenn Sie eine glattere Oberfläche wünschen, können Sie nachgrundieren.
Leinwand grundieren: Schritt für Schritt
So gehen Sie vor, wenn Sie eine Leinwand selbst grundieren oder nachgrundieren:
- Arbeitsplatz vorbereiten: Legen Sie Zeitungspapier oder Folie aus und stellen Sie die Leinwand auf zwei Klötze, damit die Kanten frei liegen.
- Gesso aufrühren: Rühren Sie das Gesso gut um. Ist es sehr dickflüssig, können Sie es mit etwas Wasser verdünnen – vor allem für die erste Schicht.
- Erste Schicht auftragen: Tragen Sie das Gesso mit einem breiten, flachen Pinsel dünn und gleichmäßig auf. Arbeiten Sie in eine Richtung, zum Beispiel waagerecht. Vergessen Sie die Kanten nicht.
- Trocknen lassen: Je nach Schichtdicke und Raumtemperatur ist Acryl-Gesso nach etwa einer Stunde oberflächlich trocken. Warten Sie lieber etwas länger.
- Zwischenschliff (optional): Für eine glatte Oberfläche schleifen Sie die trockene Schicht mit feinem Schleifpapier leicht an und entfernen den Staub mit einem trockenen Tuch.
- Zweite und dritte Schicht: Tragen Sie die nächste Schicht quer zur vorherigen auf, also senkrecht. So entsteht eine gleichmäßige Oberfläche ohne sichtbare Pinselrichtung.
Mehrere dünne Schichten sind immer besser als eine dicke. Dicke Schichten können reißen und bilden leicht Pinselspuren, die später durch die Farbe hindurch sichtbar bleiben.
Welches Werkzeug brauchen Sie?
- Acryl-Gesso (weiß oder getönt)
- breiter Flachpinsel oder ein Schaumstoffroller
- feines Schleifpapier für den Zwischenschliff
- Wasserglas und Tuch zum Reinigen des Pinsels
Grundierung für Öl und Acryl: Gibt es Unterschiede?
Für Acrylmalerei ist Acryl-Gesso ideal. Farbe und Grund bestehen aus ähnlichen Bindemitteln und verbinden sich gut miteinander.
Für Ölmalerei können Sie ebenfalls auf Acryl-Gesso malen – das ist heute weit verbreitet und für die meisten Bilder völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass der Grund ausreichend deckt und nicht zu stark saugt. Umgekehrt gilt eine klare Regel: Acrylfarbe nie auf einen Ölgrund malen. Acryl haftet auf ölhaltigen Untergründen nicht zuverlässig und kann sich ablösen.
Wenn Sie unsicher sind, welche Farbart für Sie die richtige ist, hilft Ihnen mein Beitrag Öl oder Acryl für Anfänger. Eine Materialliste für den Einstieg in Öl finden Sie unter Ölmalerei für Anfänger.
Farbiger Grund: Warum nicht immer Weiß?
Eine strahlend weiße Leinwand kann einschüchtern. Außerdem lässt sie Farben, vor allem in den ersten Schichten, oft zu hell erscheinen. Viele Maler tönen den Grund deshalb vor dem eigentlichen Malen.
Dafür gibt es zwei Wege: Sie mischen dem Gesso direkt etwas Acrylfarbe bei, oder Sie tragen auf den trockenen weißen Grund eine dünne, lasierende Farbschicht auf. In der klassischen Ölmalerei nennt man diese farbige Zwischenschicht Imprimitur. Beliebt sind warme, mittlere Töne wie ein verdünntes Ocker oder ein gebrochenes Rotbraun.
Ein farbiger Grund hat praktische Vorteile:
- Sie beurteilen Helligkeit und Tonwerte leichter, weil Sie von einem mittleren Ton aus arbeiten.
- Kleine Lücken zwischen den Pinselstrichen wirken harmonisch statt weiß.
- Der Grundton zieht sich durch das ganze Bild und verbindet die Farben miteinander.
Häufige Fehler beim Grundieren
- Zu dicke Schichten: Sie trocknen ungleichmäßig, reißen und hinterlassen Pinselspuren.
- Zu wenig Trocknungszeit: Wer zu früh weiterarbeitet, löst die vorige Schicht wieder an.
- Staub auf der Oberfläche: Nach dem Schleifen immer gründlich abwischen.
- Pinsel antrocknen lassen: Gesso ist eine Acrylfarbe – einmal eingetrocknet, ist der Pinsel verloren. Waschen Sie ihn sofort mit Wasser aus.
Häufige Fragen
Wie viele Schichten Gesso brauche ich?
Für eine rohe Leinwand sind zwei bis drei dünne Schichten üblich. Bei einer bereits grundierten Leinwand genügt meist eine zusätzliche Schicht.
Wie lange muss Gesso trocknen, bevor ich malen kann?
Acryl-Gesso ist nach etwa einer Stunde oberflächlich trocken. Für Acrylmalerei können Sie dann beginnen. Für Ölmalerei warten Sie besser einen Tag, damit der Grund vollständig durchgetrocknet ist.
Kann ich auch Papier oder Holz grundieren?
Ja. Gesso haftet auf Holz, Pappe und kräftigem Papier. Dünnes Papier wellt sich allerdings stark, wenn es feucht wird – dafür eignen sich festere Malkartons besser.
Muss ich die Leinwand in einem Malkurs selbst grundieren?
In meinen Workshops nicht: Leinwand, Farben und Werkzeuge stehen bereit. Sie können also direkt mit dem Malen beginnen.
Fazit: Ein guter Grund ist die halbe Malerei
Wer eine Leinwand grundieren kann, hat mehr Kontrolle über sein Bild: Die Farbe haftet besser, leuchtet stärker und hält länger. Mit Acryl-Gesso, einem breiten Pinsel und etwas Geduld gelingt das auch ohne Erfahrung.
Möchten Sie lieber direkt loslegen? In meinen Malkursen und Workshops ist das komplette Material inklusive, zum Beispiel beim Kurs Abstraktes Arbeiten mit dem Spachtel. Ich freue mich auf Sie.
